Schreiben: Leben
Annie Ernaux' Leben

Premiere MI 07. Oktober, 19:30 Uhr
FR 09. Oktober, 19:30 Uhr & SO 11. Oktober, 18 Uhr

Eintritt: 12 € / 6 € (ermäßigt)

Regie: Rainer Escher
mit mit Elisabeth Auer und Hedwig Franke

Bühne: Holger Endres
Dramaturgie: Angela Wend
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Annie Ernaux 1940 als Kind einfacher Leute geboren, die einen kombinierten Laden und Kneipe führten, gehört zu jener Generation, der erstmals die höheren Bildungseinrichtungen offenstanden. 60 Jahre später ist sie Lehrerin und eine der bekanntesten französischen Autorinnen.

In ihrem letzten Roman lässt sie ihre Lebensgeschichte Revue passieren. Sie erzählt von den ärmlichen Verhältnissen der Kleinbürger, wo man noch im Garten aufs Klo ging, wo der Bauernkalender mehr Geltung hatte als jeder Wetterbericht. In der Schule gehörte man der unterprivilegierten Klasse an und musste die Hänseleien der Bürgertöchter aushalten. Aber Annie Ernaux wehrte sich, sie schaffte den Schritt aufs Gymnasium und sogar auf die Universität. Aber mit diesen Bildungs-Fortschritten entfernt sie sich auch immer weiter von ihren Eltern und ihren Ursprüngen, was ihr Zeit ihres Lebens ein schlechtes Gewissen bereitete. Es folgen Heirat, Kinder, Scheidung und gleichzeitig die Revolten der 60er Jahre, Aufstand, Mitterand, Girac und Sarkozy; Hoffnungen auf Veränderungen und immer wieder Enttäuschungen. Sie ist mitten in der Geschichte und doch nur ohnmächtige Zuschauerin.

Annie Ernaux will in ihrer Erzählung zeigen, dass diese Biografie kein Einzelfall ist, weshalb es in diesem Text auch keinen "Ich-Erzähler" gibt. Annie Ernaux geht in einem "wir" auf, sie verschwindet aber nicht hinter der anonymen Masse ihrer Mitbürger, sie ist Teil der Masse und hebt sich nur gelegentlich in ihrer Individualität davon ab.

Das Neue Ensemble präsentiert diesen Text mit Elisabeth Auer und Hedwig Franke, die aus der Stimmenvielfalt ein Gemälde der letzten sechzig Jahre entstehen lassen. Das individuelle Schicksal lässt eine Zeitgeschichte entstehen. Und auf der Folie dieser Zeitgeschichte entwickelt sich auch ein individuelles Schicksal.


Gefördert durch das Kulturamt der Stadt Mannheim, den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst.